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Mai 17
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„Man hat es immer mit einem schleichenden Prozess zu tun, der eine mehrjährige Entwicklungsgeschichte hat" – die eigene Sucht zu erkennen und sich einzugestehen, ist nach Überzeugung von Stefan Werner, leitender Arzt in unserer Suchtklinik Neue Rhön, manchmal ein schweres Unterfangen. Als Fachklinik für Suchterkrankungen sind wir die richtige Adresse für abhängige Menschen, die ein Leben ohne Alkohol, Drogen oder andere Suchtmittel wie auch Medikamente führen möchten. Zunächst muss die Abhängigkeit jedoch erkannt und diagnostiziert werden.

 

Das Feierabendbier gehört einfach dazu, das Stress-Schnäpschen bleibt sicher die Ausnahme, der Vollsuff am Wochenende war nur ein Ausrutscher: Gerade anfangs gibt es immer Erklärungen für mögliche Auffälligkeiten. Während wir gegenüber Drogen eine gesunde Sensibilität haben, spielen Alkohol oder auch Medikamente im gesellschaftlichen Leben eine akzeptierte Rolle. Dabei sind die Übergänge beispielsweise zwischen maßvollem Alkoholgenuss, Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht fließend und zunächst unauffällig.

 

Ob aus dem gelegentlichen Trinken ein regel- und gewohnheitsmäßig hoher Konsum wird, hängt laut Stefan Werner von vielen Faktoren ab: „Habe ich ein stabiles soziales Umfeld mit Familie und Freunden, mit denen ich über Probleme reden kann? Habe ich einen gesunden Arbeitsplatz, einen Beruf, der mir Freude macht? Ermöglichen mir meine Hobbies, auch einmal Stress oder Frust abzubauen? Ein gesunder äußerer Rahmen kann dafür sorgen, dass Sucht nie ein Thema ist." Allerdings spielen auch die genetische Veranlagung und die Persönlichkeit der Menschen eine Rolle.

 

Alkoholismus ist eine der häufigsten Abhängigkeitserkrankungen in Deutschland. Es gibt jedoch keine scharfe Grenze, ab der man von einer Sucht sprechen kann. Stefan Werner: „Wir machen es an den Kriterien Kontrollverlust und Toleranz fest: Wenn ich anfange das Suchtmittel zu nehmen und nicht mehr aufhören kann, wenn ich immer mehr davon brauche, wenn ich bei Abstinenz Entzugserscheinungen habe und wenn ich trotz der negativen körperlich, psychischen oder sozialen Folgen weitermache, dann reden wir von Sucht".

 

Trotzdem ist es für Angehörige, Freunde und Kollegen manchmal schwer zu erkennen, ob jemand in ihrem Umfeld ein Alkoholproblem hat. Dabei sind es gerade diese nahestehenden Personen, auf die es ankommt. „Der kranke Mensch wird diese Diagnose selten selbst treffen", betont Stefan Werner. Vom ersten Verdacht zum ersten Gespräch mit dem betroffenen Menschen vergeht jedoch oft eine ganze (viel zu lange) Weile. Scheu, falsche Rücksichtnahme, Unsicherheit oder Überforderung hindern das Umfeld daran, aktiv zu werden.

 

Dabei gibt es durchaus Anzeichen für die ernsthafte Erkrankung, erläutert Werner am Beispiel der Alkoholsucht: „Die Trinkmenge läuft gewaltig aus dem Ruder. Süchtige trinken mehr als andere, sie trinken häufiger und zu unüblichen Uhrzeiten. Krankheitsphasen häufen sich, einst wichtige Dinge werden vernachlässigt." Dabei geht es laut Stefan Werner am Arbeitsplatz meist noch glatt.

 

Es gibt dabei unterschiedliche Trinkmuster. Wir kennen zum Beispiel den „Quartalstrinker", der nicht regelmäßig konsumiert und auch längere Pausen einhalten kann, dann aber, wenn er anfängt, nicht aufhören kann. Auch das kann schon eine Abhängigkeit sein.

 

Es gibt aber auch den Pegeltrinker, der täglich, oft über den Tag verteilt, trinkt und immer einen Alkoholpegel hat. Dabei gewöhnt sich der Körper so sehr an den Alkohol, dass es nur wenig Ausfallserscheinungen, wie unsicherer Gang oder Veränderungen der Sprache gibt, die man sonst bei einem Alkoholspiegel von zum Beispiel 1,8 Promille erwarten würde und kennt.Da Pegeltrinker quasi permanent im Training sind, haben sie nicht selten einen Blutalkoholwert von 2 bis 4 Promille, erläutert der Mediziner. „Für sie wird es wichtig, diesen Pegel zu halten – nun fällt es eher auf, wenn Betroffene nicht genug trinken. Sie bekommen Entzugserscheinungen wie zitternde Hände oder Schweißausbrüche." Sie beginnen, überall kleine Alkohol-Depots anzulegen, um jederzeit und überall Zugriff auf das Suchtmittel zu haben. Süchtige können zudem keine Auszeit vom Suchtmittel nehmen. Und sie werden deshalb auch dann weitermachen, wenn sie bemerken, welche schweren Folgen diese Erkrankung für sie und ihr Leben hat.

 

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