Blog
Jul 10
gesendet von: am in General


innovaeditor/assets/bild-3_Schnitt.jpg


 


 

Patienten, die sich in unserer Fachklinik nach ihrer Entgiftung in eine stationäre Reha begeben, sind nicht automatisch geheilt. Zwar spielen Entzugserscheinungen eher keine Rolle, allerdings ist das Verlangen nach dem Suchtmittel in vielen Fällen immer wieder vorhanden.


„Wir nennen das Suchtdruck. Dieser tritt meist in Situationen auf, in denen auch früher konsumiert wurde, zum Beispiel unter Stress, bei Triggern oder auch spontan. Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich", weiß Kira Klüber, Therapeutin der Fachklinik Neue Rhön. Dabei gibt es verschiedene Formen des Suchtdrucks, der sich nur in einem kurzen Wunsch oder einem Gedanken an den Konsum, in einem starken Verlangen oder in körperlichen Symptomen – etwa Zittern oder Schwitzen – äußern kann. „Diese Symptome sind meistens zeitlich begrenzt und flachen nach einigen Minuten des Auftretens wieder ab", erklär die Expertin. Rückfall, Suchtdruck und Verlangen sind auch begleitende Themen, die in der Therapie unserer Fachklinik für Suchterkrankungen behandelt werden. „Zudem ist eine eigene Indikationsgruppe zum Thema Rückfall für alle Patienten verpflichtend, da es ein relevantes Thema für alle Patienten ist", ergänzt die Therapeutin.


Damit man dem Suchtdruck standhält, entwickelt sie in der Therapie gemeinsam mit dem Patienten Strategien gegen diesen Druck. Schlagworte sind hier etwa Ablenkung, die Situation verlassen oder Gedankenstopp. Wie lang die Entgiftung oder die Reha in der Fachklinik her ist, spielt bei Auftreten von Suchtdruck keine Rolle. „Er kann auch nach längerer Abstinenz auftreten, denn eine Suchterkrankung ist ein lebenslanger Begleiter. Es ist daher wichtig, sich regelmäßig mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln, dann ist man auf einem guten Weg", macht Kira Klüber allen Betroffenen Mut. Die Ablenkung als Strategie kann da alles sein, was einem gut tut, etwa Sport, ein gutes Buch lesen, die Natur oder andere Hobbies. Auch Gespräche sind sehr hilfreich. „Es ist wichtig, dass man Nummern hat, die man bei Suchtdruck anrufen kann. Das können Vertrauenspersonen, Personen aus der Selbsthilfe oder Suchtberatung oder auch allgemeine Notfallnummern sein, falls man niemanden hat –etwa eine Telefonseelsorge, die BZgA oder das Blaue Telefon der Guttempler", empfiehlt die Therapeutin.


Wichtig sei, sich immer wieder selbst zu motivieren und sich bewusst zu machen, warum man abstinent bleiben will. Motivation können da Fotos der Familie, eigene Ziele, die man erreichen will, oder Erfolge, die man bereits erzielt hat, sein. „Hilfreich ist es, wenn man dabei mit Gegenständen, Bildern oder Geschriebenem arbeitet, weil reines Erinnern in einer akuten Suchtdrucksituation schwer sein kann", rät die Suchtexpertin. Die regelmäßige Auseinandersetzung, Motivation und Überprüfung der Motive habe zudem den Vorteil, dass man frühzeitig erkenne, wann die Motivation kippt und man wieder professionelle Hilfe suche könne.


Sollte man dem Suchtdruck einmal nicht standhalten können, hat Kira Klüber einen wichtigen Rat: „Nach einem Rückfall auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken, sondern offen damit umgehen. Man kann sich Hilfe und Unterstützung suchen, um wieder auf den Weg der Abstinenz zurückzukehren. In vielen Fällen gehört ein Rückfall zur Suchterkrankung dazu. Wichtig ist, dass man ihn aktiv nutzt, um zu erarbeiten, in welchen Situationen man noch nicht gut vorbereitet war, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und vorhandene zu überarbeiten."




Ihr Name*

eMail Adresse*

Kommentare*
You may use these HTML tags:<p> <u> <i> <b> <strong> <del> <code> <hr> <em> <ul> <li> <ol> <span> <div>

Bestätigungscode*
 
Kommentar Hinweis