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Jul 24


Die meisten Menschen, die in der Neuen Rhön einen Weg aus der Suchterkrankung suchen, sind Alkoholiker. Die Fachklinik für Suchterkrankungen ist jedoch auch offen für drogenabhängige Patienten, die versuchen wollen, ihr Leben nach der Entgiftung abstinent zu führen.

„Eine Sucht ist zunächst einmal eine Sucht – ganz unabhängig vom Suchtmittel", erklärt Psychologin Kira Klüber die Ausgangssituation. Daher können Alkoholiker, Medikamentenabhängige und Drogensüchtige in der gleichen Einrichtung behandelt werden, wo sie neben den regelmäßigen Einzeltherapiegesprächen auch dieselben Basisgruppen besuchen. Viermal pro Woche stellen sie sich in ihrer geschlechtsspezifischen Gruppe unter fachlicher Anleitung eines Therapeuten ihrer Sucht.

„Welche Funktion hat das Suchtmittel für mich?" oder „Was macht die Sucht mit mir?" lauten die Fragen, die sich sowohl Alkoholiker als auch Drogenabhängige stellen müssen, um die Mechanismen der Abhängigkeit verstehen und frühzeitig unterbrechen zu lernen. „Die Situation kann für Drogenabhängige komplexer sein, da sie sich häufig mit mehr als einer Abhängigkeit auseinandersetzen und gegebenenfalls auch andere Themenbereiche wie zum Beispiel die Illegalität oder die Szene-Zugehörigkeit einen großen Einfluss haben.", macht Kira Klüber deutlich. Und die 27-Jährige betont, dass es genau deshalb neben den Basisgruppen und Einzelgesprächen für alle Patienten auch spezialisierte Zusatzangebote in der Neuen Rhön gibt.

„Während eine Alkoholsucht sich oft schleichend und mitunter über Jahrzehnte entwickelt, kommt es bei Abhängigkeiten von illegalen Drogen häufig vor, dass diese schon sehr früh erkannt werden", erläutert die Expertin. „Die Patienten sind dadurch teilweise viel jünger und das restliche Leben umfasst damit meist noch eine sehr lange Zeitspanne, was von ihnen als größere Herausforderung wahrgenommen wird." Hier ist es besonders wichtig, eine solide Motivation aufzubauen, die eine dauerhafte Abstinenz erst möglich macht.
Viele Drogensüchtige habe zudem meist eine ganze Reihe unterschiedlicher Suchtmittel konsumiert. Kira Klüber: „Vom gelegentlichen Entspannungs-Joint kann es weiter gehen zu Aufputschmitteln, Halluzinogenen oder Opiaten/Opioiden, aber auch wieder zurück zum Cannabis. Daher ist es für Drogenabhängige wichtig zu klären: Worauf bleibe ich hängen? Das kann vielleicht Cannabis sein, vielleicht aber auch eine andere Droge. Es gibt keine harmlosen Suchtmittel."

Solche Fragen sind ein wichtiger Teil des anderthalbstündigen Zusatzangebots, das die Patienten der Neuen Rhön viermal während ihres Aufenthaltes besuchen müssen. „Diese Angebote haben einen therapeutischen Ansatz", erklärt Kira Klüber. Zusätzlich gehe es aber auch um Wissensvermittlung. „Es kann sehr hilfreich sein, zu erfahren, was eine Droge im Gehirn bewirkt, und welche langfristigen Folgen mein Drogenkonsum hat, wenn ich ihn nicht unter Kontrolle bringen kann. Das schließt immer die Frage mit ein: Wie kann ich Risikosituationen oder Auslöser vermeiden?"

Während ein Alkoholiker kaum Probleme hat, an sein Suchtmittel zu gelangen, rutscht der Drogenabhängige sehr früh in die Kriminalität: Schon der Kauf und Besitz der Suchtmittel ist gesetzeswidrig. Meist kommt mit der Zeit auch noch eine Beschaffungskriminalität hinzu. „Das sind Themen, die Betroffene in der Basisgruppe teilweise nicht frei besprechen möchten. Eine spezifische Gruppe für Drogenabhängige bietet ganz andere Möglichkeiten, diese Themen zu bearbeiten", weiß die 27-Jährige. 

Differenzierte Angebote hat die Fachklinik für Suchterkrankungen übrigens auch für die Themenkomplexe Depression, Elternschaft oder auch die für alle verpflichtende Zusatzgruppe Rückfall-Prävention. Auch ein Nichtraucher-Training ist möglich. Das Ziel aller Angebote der Neuen Rhön ist es, die Patienten während der Therapiephase zu Experten für ihre individuelle Erkrankung zu machen – so können sie im Anschluss erfolgreich vorbeugen und Rückfälle vermeiden.




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