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Aug 5


 
 
Gleichberechtigung ist eine tolle Sache! In unserer Fachklinik erleben wir jedoch tagtäglich, dass suchtkranke Frauen und Männer ganz besondere – und vor allem unterschiedliche – Bedürfnisse haben, denen wir unbedingt Vorrang einräumen müssen. Dieser Anforderung können wir mit unserem geschlechtsspezifischen Therapieansatz nachkommen, der aus dem Verständnis resultiert, dass Suchtursache, Suchtmittel, Behandlungswege und Rahmenbedingungen eine Abgrenzung der Geschlechter notwendig macht.

Unsere Erfahrungen in der Fachklinik Neue Rhön decken sich dabei mit den statistischen Werten: Generell gibt es nämlich bei Frauen häufiger eine Medikamentenabhängigkeit als bei Männern. Frauen greifen dagegen seltener als Männer zu Alkohol als Seelentröster. Psychologin Kira Klüber erklärt das an einem Beispiel: „Wenn sich Männer sich gestresst fühlen, trinken sie zur Entspannung immer öfter mal ein paar Bier. Frauen fühlen sich schlecht und gehen damit zum Arzt, der Ihnen dann möglicherweise ein Beruhigungsmedikament verschreibt".
Ob aus den Tabletten gegen Schlafstörung oder dem regelmäßigen Trinken dann tatsächlich eine Sucht wird, ist von vielen Faktoren abhängig, die sich auch mischen oder verstärken können. Gesellschaftliche Einflüsse können ebenso eine Rolle spielen wie chronische Erkrankungen. Auch genetische und häusliche Ursachen spielen eine wichtige Rolle, denn Suchterkrankungen treten oft in Familien gehäuft auf.

„Bei einigen Patienten haben wir auch eine traumatische Erfahrung als Auslöser für die Sucht feststellen können", erzählt unsere Expertin. „Diese Patienten haben meist den großen Wunsch nach einem geschützten Raum". Mit unserem Behandlungskonzept haben wir uns ganz auf diese nachvollziehbaren Bedürfnisse eingestellt. In der geschlechtsspezifischen Therapie haben wir eigene Therapeuten für weibliche und für männliche Patienten. Auch in der Gruppentherapie sorgt die Abgrenzung der Geschlechter für spürbare Entlastung und daraus resultierend auch für freiere Gespräche.

„Einige unsere Patientinnen haben – mitunter auch schon in der Kindheit oder Jugend – Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt, was sich später zu einer Ursache für ihre Suchterkrankung entwickeln konnte", erzählt die 28-jährige Psychologin. Abhängige Frauen finden daher im Haus Wasserkuppe ein geschütztes Refugium: Das „Frauenhaus" ist generell abgeschlossen. „Der Zugang ist nur mit einem Schlüssel möglich", erklärt Kira Klüber. „Schlüssel haben nur die Bewohnerinnen und unsere Mitarbeiter." Als Besucher betreten dürfen das Haus allenfalls weibliche Familienangehörige und die Kinder der Patientinnen, wenn diese weiblich oder noch im Kindesalter sind.

Auf drei Etagen leben die Frauen in sechs Einzelzimmern und neun Doppelzimmern (diese werden auch für Frauen mit Kind genutzt) zusammen. Jedes Zimmer hat ein Bad und einen Balkon, gemeinsam können der gemütliche Aufenthaltsraum mit Teeküche, ein Spielzimmer und ein weiterer Raum für Gruppenstunden oder Sportkurse (wie beispielsweise Selbstverteidigungskurse) genutzt werden. Im Keller des Hauses gibt zudem einer Bibliothek und eine Waschküche.

Auch suchtkranke Männer haben ihr Refugium. Allerdings ist Haus Milseburg nicht verschlossen. Zum dortigen Gruppenraum haben auch Frauen Zutritt. Außerdem werden Männer – und Paare – im Haus Martin untergebracht, wo sich auch die Ergotherapie- Räume befinden. Zudem haben wir mit Haus Fürsteneck ein Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Haus, das nur von den Bewohnern betreten werden darf. Die Aufnahme, die Therapeutenbüros, die Essräume und Therapiezimmer sind in Haus Rudeck untergebracht, wo sich auch noch weitere Männerzimmer befinden.

„Ganz wichtig ist uns, dass sich in den jeweiligen Zimmern immer nur die eigentlichen Bewohner aufhalten dürfen. Für Treffen gibt es genügend Alternativen beispielsweise bei gemeinsamen Aktivitäten, in den Gemeinschaftsräumen, Werkstätten und auf dem Gelände", betont die Psychologin. Damit haben alle Patientinnen und Patienten einen privaten Schutzraum und ein kleines Refugium, in dem sie bereits die absolute Kontrolle über ihren Lebensbereich haben – ein erster wichtiger Schritt in ein Leben ohne Suchtmittel.
 
                  
 
             
 
 




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