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Sep 12


 
Oft wissen die Partner eines suchtkranken Patienten nicht, wie sie sich nach der Therapie gegenüber dem anderen verhalten sollen. Mit den Paargesprächen geben wir ihnen Tipps an die Hand. Paargespräche in unserer Fachklinik sind aber keinesfalls mit Paartherapie gleichzusetzen. Denn während dort ausschließlich die Beziehung, das Zusammenleben und alles, was die Beziehung betrifft, thematisiert wird, sind unsere Paargespräche Aufklärungsarbeit und können Hilfestellungen liefern.
 

„Selbst, wenn wir Paare in der Neuen Rhön aufnehmen, steht bei jeder Partei die eigene Abhängigkeit im Vordergrund von Behandlung und Therapie, da beide häufig suchtmittelabhängig sind", ergänzt unsere Mitarbeiterin im Sozialdienst Lisa-Marie Gnüchtel. Wann ein solches Paargespräch stattfindet, entscheiden unsere Patienten weitestgehend selbst. „Wenn er die Notwendigkeit sieht, kann der Therapeut das Thema Angehörigengespräch in den Raum werfen. Aber auch der Patient selbst kann das Thema aufgreifen", weiß die Expertin. Anschließend besprechen Patient und Therapeut, inwiefern ein solches Gespräch hilfreich für die weitere Therapie oder auch für die Zukunft sein kann. Zudem werden ein Ziel, die Gesprächsthemen sowie das bestmögliche Ergebnis definiert. „Erst wenn der Patient sich dieser Punkte bewusst ist, wird etwa der Partner oder auch andere Angehörige zum Gespräch eingeladen", erklärt die Sozialdienst-Mitarbeiterin. Dieses Gespräch dauert in der Regel zwischen einer und anderthalb Stunden. Sollte ein Gespräch nicht ausreichen, können auch Folgetermine vereinbart werden. Wichtig ist dabei, dass die Eigenproblematik des Patienten weiterhin im Vordergrund der Behandlung steht. „Paargespräche können demnach nicht über den gesamten Therapiezeitraum stattfinden. Generell setzen wir solche Gespräche nie zu Beginn der Therapie bei uns an, eher in der Mitte oder gegen Ende – das kann der Patient dann selbst vorgeben, wenn er thematisch daran arbeitet", macht die Expertin deutlich.
 

Auch wenn häufig der Begriff „Paargespräch" verwendet wird, sind es in vielen Fällen auch Angehörige, die zum Gespräch kommen. „Da kann fast jeder kommen: Geschwister, Eltern, Kinder, bevorzugt erwachsene, und enge Bezugspersonen wie Freunde oder weitere Familienmitglieder." Der Fall, dass der Partner oder die Partnerin zu einem solchen Gespräch nicht bereit ist, kommt sehr selten bis gar nicht vor. „Es muss einiges in der Beziehung aufgearbeitet werden. Da ist es eher mal der Patient, der noch nicht bereit für ein Gespräch ist, sich noch nicht mit der Paarthematik auseinandersetzen kann oder will", weiß Lisa-Marie Gnüchtel. Und das ist in Ordnung. Bei uns in der Neuen Rhön geben die Patienten vor, ob und wann sie ein solches Gespräch angehen wollen. „Sollte der sehr seltene Fall eintreten, dass der Partner kein Gespräch möchte, greifen wir das in jedem Fall in unseren Einzelgesprächen auf. So können wir eventuelle Gründe für die Absage herausarbeiten und der Frage auf den Grund gehen, inwiefern der Patient oder die Patientin selbst zu dem Desinteresse der Angehörigen beigetragen haben könnte. Doch dieser Fall kommt zum Glück so gut wie gar nicht vor", beschreibt sie.
 

Auch unseren Fachkräften kann ein Paar- oder Angehörigengespräch bei ihrer Arbeit mit den Patienten helfen. Denn neben der Besprechung der Suchtproblematik, können sie den Patienten noch ein wenig besser kennenlernen, hören Ansichten der Partner und bekommen so ein Gespür für die Paardynamik. „Das hilft, um beiden Parteien weitere Hilfestellungen für die Zeit nach der Therapie zu geben." Neben diesen angestrebten Zielen, können die Gespräche noch einiges mehr bewirken – etwa die Beziehung stabilisieren, über die Thematik der Co-Abhängigkeit aufklären, auf die Zeit nach der Therapie vorbereiten, Konflikte bearbeiten und die Sucht ein Stück weit aufklären.
 

Das Paargespräch ist ein wichtiger Pfeiler beim Kampf gegen die Sucht. „Die Angehörigen bekommen so professionelle Hilfestellungen, damit sie wissen, wie sie bei einem Rückfall des Partners reagieren, was sie tun können und wie sie ihren Partner im Allgemeinen unterstützen und mit ihm umgehen können", weiß Lisa-Marie Gnüchtel. So wissen Angehörige, wie sie in Risikosituationen handeln können. Zudem wird das Vertrauen gestärkt – der Patient oder die Patientin hört „suchtmittelfrei", wie die Angehörigen empfinden und kann darauf vertrauen, dass er sie in Risikosituationen um Hilfe bitten kann. Denn auch zwischenmenschliche Konflikte können häufig ein Rückfallrisiko darstellen. „Gegenseitige Unterstützung ist hier das A und O", ist sich unsere Therapeutin ciher. Das Paargespräch kann einen wichtigen Teil zu dieser Entwicklung beitragen.



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