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Sep 17



„Allein die Dosis macht das Gift", lautet ein gern zitierter Kernsatz von Paracelsus. Wie recht der Schweizer Arzt mit dieser Aussage hat, erleben wir in der Neuen Rhön immer wieder bei den Patienten, die mit einer Medikamentenabhängigkeit in unsere Fachklinik für Suchterkrankungen kommen. Nicht selten war ihr Suchtmittel einst ein Heilmittel, das ein Arzt verordnet hatte.
 

Wesentlich mehr Frauen als Männer suchen wegen Schlafproblemen, Schmerzen oder Ängsten ärztliche Hilfe. Sie haben in der Regel eine sensiblere Körperwahrnehmung und scheuen den Gang zum Arzt nicht. Auch Senioren gehören zur Risikogruppe, denn sie leiden altersbedingt eher unter Schlafstörungen oder Schmerzen. Ihr veränderter Stoffwechsel sorgt allerdings dafür, dass manche Medikamente langsamer abgebaut werden, weshalb dann unbeabsichtigt eine Überdosierung auftreten kann.
 

„Den ersten Kontakt mit dem Suchtmittel stellt häufig ein ärztliches Rezept her", erklärt Kira Klüber. Die Patienten erhalten beim Arztbesuch in vielen Fällen eine medikamentöse Symptombehandlung, ohne dass der zuständige Mediziner nach der eigentlichen Ursache für die Beschwerden sucht. Die Psychologin warnt: „Leider sind Ärzte teilweise sehr freigiebig mit Medikamenten, selbst wenn diese Arzneien ein hohes Abhängigkeitspotential haben oder nur ganz kurz eingenommen werden dürfen." Gefährlich sind vor allem Schmerz-, Beruhigungs- oder Schlafmittel.
 

Unter der Wirkung des Medikaments bessern sich die Symptome dann zunächst, flackern aber aufgrund der weiterhin vorhandenen Ursache oft nach dem Ende der Behandlung wieder auf. Und so wird rasch nach einem Wiederholungsrezept gefragt. Kira Klüber erklärt, warum damit für die Patienten ein Teufelskreis beginnt: „Ein vom Arzt verschriebenes Arzneimittel wirkt harmloser als auf der Straße gekaufte Drogen. Deshalb machen viele Leute sich auch keine Gedanken über die Gefahren der Medikamente, die sie verschrieben bekommen."
 

Zum Missbrauch kommt es, wenn der Patient die verordnete Dosis eigenmächtig steigert oder den Arzt wechselt und dadurch das Medikament unverhältnismäßig lange einnehmen kann. Meist bleibt die so entstandene Abhängigkeit bis zum manifesten Suchtstadium unerkannt, denn im Vergleich zum Rauschmittel Alkohol verlaufen die Grenzen zwischen Heilmittel und Suchtmittel fließender. „Vielen Betroffenen ist die Notwendigkeit eines Entzugs nicht einmal bewusst", sagt Kira Klüber.
 

Dabei ist mit den Nebenwirkungen und vor allem den Spätfolgen der Sucht nicht zu spaßen, denn die Wirkstoffe mancher Medikamente führen zu Organversagen oder anderen körperlichen Schäden. Drastisch wird die Situation auch ganz unvermittelt, wie Kira Klüber weiß: „Die Leber von Suchtkranken verstoffwechselt Medikamente wesentlich schneller – in der Folge ist beispielsweise eine stärke Betäubung bei Operationen notwendig." Wenn sich der Abhängige seiner Sucht nicht einmal bewusst ist, werden die Ärzte im OP von den Tatsachen überrascht.
 

Der Entzug von Medikamenten dauert nach Auskunft der Expertin von der Neuen Rhön länger, weil das Suchtmittel nur nach und nach runterdosiert werden kann. Und er ist dennoch nicht einfach. Kira Klüber: „Die Patienten berichten von starken Schmerzen, Alpträumen, Schlafproblemen. Am Schlimmsten sind die Nebenwirklungen eines Benzodiazepin-Entzugs. Das ist schlimmer als bei Heroin oder Alkohol."
 

Je kürzer die Einnahmezeit, desto leichter ist es, den süchtig machenden Wirkstoff abzusetzen. Doch auch nach der längeren Medikamentensucht ist eine erfolgreiche Therapie in der Neuen Rhön möglich. Im Rahmen ihrer Therapie bei uns in der Fachklinik für Suchterkrankungen lernen die Patienten, ein abstinentes Leben zu führen. Und dazu gehört dann auch die Akzeptanz und Berücksichtigung des ersten Teils der Aussage von Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift."



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