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Dez 6


Eine Suchtkrankheit beeinflusst alle Lebensbereiche – so auch die Berufstätigkeit. Andersherum kann aber auch ein Job als Stressfaktor der Auslöser einer Suchtkrankheit sein. Wir haben mit einem Patienten aus unserer Fachklinik für Suchterkrankungen gesprochen und uns mit dem Zusammenhang von Beruf und Sucht beschäftigt.

Ständiger Leistungsdruck, der Wunsch nach Bestätigung und konstantem Erfolg – diese Faktoren können schnell zu übermäßigen Ehrgeiz führen, dem der Mensch unter normalen Umständen nicht standhalten kann. So hat auch unser Patient, der im Folgenden anonym bleibt, den Ursprung seiner Sucht geschildert. Um seine Leistung zu steigern hat er Amphetamin konsumiert, dass nach seinen Angaben dabei geholfen hat, den unerreichbaren Anspruch an sich selbst zu erfüllen. „Rastlosigkeit, kein Ende der Arbeit, Privates bleibt völlig auf der Strecke", das alles seien Umstände, die sich bei einer solchen Sucht einstellen, erzählt er. Der Beruf, die Arbeit und damit der Ort, an dem man die meiste Zeit des Tages verbringt, werde zum größten Trigger.

Und entscheide man sich dann, endlich abstinent zu leben, komme ein weiterer gefährdender Faktor hinzu: „Man muss das Bild von einem selbst, was Chef und Kollegen haben, wieder an die Realität anpassen", berichtet unser Patient. Da werde man blöd angeschaut, wenn man plötzlich weniger leistet. Generell müsse man sich neu kennenlernen – Grenzen finden und lernen, nein zu sagen. „Man kann nicht mehr so wie mit dem Konsum". Ein Prozess, der viel Selbstreflektion und Durchhaltevermögen einfordert. Und einen offenen Umgang mit der eigenen Krankheit.

Für die Abstinenzphase im Job nach der Therapie in der Neuen Rhön hat sich unser Patient deshalb endlich vorgenommen, nicht mehr so viel Verantwortung zu übernehmen: „Ich möchte mir ein Arbeitsumfeld schaffen, dass nicht mehr so viel Druck auf mich aufbaut", denn damit gehe auch der Suchtdruck einher. Er möchte bewusst seine Arbeit umstrukturieren und sie an die Grenzen seiner eigenen realen Leistungsfähigkeit anpassen, sonst halte man nicht langfristig abstinent durch.

Aber wie wir zu Beginn dieses Beitrages schon angesprochen haben, ist die Arbeit als Auslöser einer Suchtkrankheit nicht die einzige Verbindung der beiden Themen. Auch wenn die Sucht nicht mit Stress an der Arbeit zusammenhängt, ergibt sich für viele Erkrankte die Situation, ihre Sucht an der Arbeit verheimlichen zu wollen. Dass das etwa bei sogenannten Spiegeltrinkern nicht lange unbemerkt bleiben kann, liegt auf der Hand. Es gibt aber auch Patienten, die es schaffen, nur nach Feierabend zu konsumieren – das kann lange unbemerkt bleiben. Im Optimalfall schaffen viele Firmen deshalb zum Schutz ihrer Mitarbeiter Aufmerksamkeit durch interne Suchtberater oder sogar Selbsthilfegruppen. „Im Optimalfall müsste es wie etwa Gleichstellungsbeauftragte oder Schwerbehindertenbeauftragte auch Suchtbeauftragte in Firmen geben, damit könne man vielen Suchtkranken helfen", so unsere Therapeutin Kira Klüber. Von diesem Ideal sei die Wirtschaftswelt allerdings noch weit entfernt.



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